Warum die beliebteste Abnehm-Idee aller Zeiten nicht nur ein großer Irrtum ist, sondern auch an Körperverletzung grenzen kann, erfahrt Ihr jetzt:

Low Fat 

Ist doch logisch – oder: Fett macht fett! Also lass das Fett weg und iss was anderes. Zum Beispiel Yoghurt Gums, mit denen man sich auch die Fußnägel lackieren kann, wenn man Heidi Klum ist, „und alles ohne Fett“ – die älteren werden sich erinnern. Ja, aber stimmt das denn nicht? Macht Fett denn nicht Fett? Äh, nö.

Aber mal im Ernst: Wenn man die drei energieliefernden Nährstoffe, also Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette, genauer unter die Lupe nimmt, stellt man fest, dass Kohlenhydrate und Eiweiße jeweils etwa 4,1 Kilokalorien pro Gramm haben, Fette aber 9,3. Wenn nun also die Kalorien reduziert werden sollen, wirft man doch am besten die Fette raus, ersetzt sie mit Eiweißen oder Kohlenhydraten und schon isst man die gleiche Menge mit weniger Kalorien.

Mathematisch ist das auf jeden Fall korrekt. Aber, um es mal völlig zu überspitzen, ich hoffe, das macht niemand wirklich: Wenn ich den ganzen Tag nur Gummibärchen esse und Bier trinke, womit ich die grundsätzlichen Regeln eines Low Fat Programmes nicht wirklich verletze, nehme ich auf keinen Fall ab, werde von schweren Mangelerscheinungen heimgesucht und schädige nachhaltig einige meiner wichtigsten Organe. Es gehört einfach so wahnsinnig viel mehr zu einem gesunden Ernährungsprogramm als bloß Mathematik!

Dass das Fettreduzieren so beliebt ist, liegt auch daran, dass es so einfach ist. Man muss keine Gebrauchsanweisungen lesen. Und es helfen lauter tolle Lightprodukte, die fettarm und gesund sind – steht zumindest so drauf. Dass aber diese Lightprodukte oft Chemieabfällen ähnlicher sind als Lebensmitteln, weil das Fett als Geschmacksträger eben nur sehr umständlich durch andere Dinge ersetzt werden kann, wird wohl zur Nebensache, wenn ich wieder in meinen Bikini passen möchte.

Wer Low Fat richtig machen möchte, muss sich aus der unfassbaren Flut von Low-Fat-Programmen ein durchdachtes, gesundes Programm auswählen, sonst sind Mangelerscheinungen und andere, auch schwerwiegendere gesundheitliche Probleme abzusehen. Das Programm Low-Fat-30 der Ökotrophologinnen Gabi Schierz und Gabi Vallenthin ist zum Beispiel ein solches Programm, mit dem sich recht gesund und alltagstauglich abnehmen lässt, wenn man sich wirklich genau an ihre Lebensmittelampel hält oder bereit ist, auch mal selbst zu rechnen. Sie haben auch Regeln gegen die Gummibärchen-Bier-Variante eingebaut und setzen auf das natürliche Hungergefühl als Leitfaden. Nur dazu muss man die Frage „Hunger oder Appetit, kenne ich den Unterschied?“ schon ehrlich beantworten können, was vielen gar nicht so wahnsinnig leicht fallen dürfte.

Ein weiterer Kritikpunkt, den ich an Low Fat habe, ist, dass zu sehr aufs Fett und zu wenig aufs Eiweiß gekuckt wird. So ist es keine Seltenheit, dass beim Abnehmen mit Low Fat die Muskelmasse anstelle der Fettdepots zur Energiegewinnung herangezogen wird, weil durch unzulängliche Eiweißgaben die Muskulatur nicht ausreichend geschützt ist. So nimmt man dann oft auch an den falschen Stellen ab: Dünnere Arme und Beine, der Hintern wird auch immer kleiner, aber die Plauze bleibt.

Die Einnahme von Fett auf ein gesundes Maß und, vor allem, auf gesunde Fette zu reduzieren, und das im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung, ist das beste, was man machen kann, keine Frage, aber so brauchbar einige der Low Fat Diäten auch sind, sie nutzen die Körperchemie nicht gut aus und man macht es sich damit unnötig schwer, dauerhaft leichter zu werden.

Fünf Fragen zu Low Fat

Gut oder schlecht? Zumindest nicht gut genug.

Schnell oder langsam? Ganz verschieden, je, nachdem, wie man es anfängt. Die gesünderen Programme sind alle nicht sonderlich schnell, können aber durchaus wirksam sein.

Teuer oder preiswert? Nicht sonderlich teuer.

Was ist mit dem Jojo-Effekt? Wer ein Programm nur so lange macht, bis das Wunschgewicht erreicht ist und danach zu altem Ernährungsverhalten zurückkehrt, weil nur gelernt wurde, dass man Fett reduzieren muss und nicht, wie man sich ausgewogenen und gesund ernährt, wird dem Jojo-Effekt auf jeden Fall anheim fallen.

Für wen ist das Programm gut? Für Leute, die mit Mathe mehr anfangen können als mit Chemie.

Zur Übersicht: Die zehn wichtigsten Ernährungsprogramme