Fett macht fett und Herzinfarkt. Das ist ’ne Tatsache. So unverrückbar wie die Schwerkraft. Supermarkt und Werbung sind voll mit „fettarm“, Cholesterinsenker die meistverkauften Medikamente der Welt. Und plötzlich soll das alles nicht mehr wahr sein? Was ist passiert? Ich geh da mal nachkucken …

„Eat Butter“

Das US-Amerikanische Time Magazine sprach im Juni 2014 mit ihrer „Eat Butter“-Coverstory „Ending the War on Fat” überraschend die gesättigten Fette frei von der Schuld am Herzinfarkt, an die man felsenfest so viele Jahrzehnte lang geglaubt hatte. Das ist recht brisant, denn ausgerechnet dieses Magazin hatte 1961 den Krieg gegen das Fett losgetreten, indem sie den Wissenschaftler Ancel Keys aufs Cover hievte, der herausgefunden haben wollte, dass tierische Fette das Risiko für Herzinfarkt erhöhen. 1984 wurde die USA-weite Fett- und Cholesterinpanik mit einem weiteren „Time“-Cover („Cholesterol – And now the bad news“) sogar noch geschürt.

Um eine sehr lange Geschichte drastisch abzukürzen: Die Untersuchungen von Ancel Keys, der den Zusammenhang zwischen tierischen Fetten und Herzinfarktraten in verschiedenen Ländern untersucht hatte, waren manipuliert. Er hatte unter anderem die Länder weggelassen, die seine These nicht eindeutig stützten. Seine These wurde von der WHO auch zunächst sehr skeptisch betrachtet und es wurden mehr Beweise gefordert. Wie Keys mit seiner These dann bei den einflussreichsten Instituten trotzdem eine solche Anerkennung finden konnte, dass Wissenschaftler, die die Aussagekraft der Studien und damit Keys’ Methoden anzweifelten, jahrzehntelang mundtot gemacht wurden, hätte mich wahnsinnig interessiert, ist aber anscheinend leider nicht überliefert.

Die unfassbaren Folgen: Die US-Amerikanischen Gesundheitsbehörden sprachen Ernährungsempfehlungen für alle Menschen im Alter ab 2 Jahre aus, die von den Gesundheitsbehörden aller Industriestaaten kritiklos übernommen wurden und noch bis heute fast überall Gültigkeit haben: Fettarm essen, besonders gesättigte Fette reduzieren, stattdessen pflanzliche Fette bevorzugen. Wenig rotes Fleisch, wenig Milchprodukte, dafür viel Obst und Gemüse und – vor allem – viele Kohlenhydrate aus Getreide.

Die Nahrungsmittelindustrie stürzte sich umgehend in die Arbeitskittel und erfand gehärtete Pflanzenfette, die das Cholesterinrisiko senken sollten, fettfreien „Käse“, entrahmte Milch und zig Möglichkeiten schmackhafte Fertiggerichte mit stark vermindertem Fett- und stark erhöhtem Kohlenhydratgehalt herzustellen. Was daraufhin geschah, wissen wir: Es kam zu einem absurden Anstieg des Weißmehl- und Zuckerkonsums, die Anzahl der übergewichtigen Menschen stieg drastisch an, ebenso die Zahl der Herz-Kreislauferkrankungen und Schlaganfälle sowie die Zahl der sogenannten „ernährungsmitbedingten Krankheiten“ wie Insulinresistenz, Diabetes und weitere Stoffwechselkrankheiten und sie steigt immernoch weiter.

Wurden wir jahrzehntelang verarscht?

Inzwischen wird immer deutlicher, dass es keinen seriösen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt, dass gesättigte Fette gesundheitsschädlich sind und dass Cholesterin tatsächlich einen Einfluss auf das Herzrisiko hat. Sehr schön wird das in der spannenden Arte-Dokumentation Cholesterin, der große Bluff gezeigt. Wahnsinnig spannend ist auch die anschließende Diskussion zwischen Dr. Michel de Lorgeril und Prof. Dr. med. Ulrich Laufs.

Wenn die Ärzte sich nicht einig werden, ob Cholesterin eine Ursache oder ein Symptom ist, woher sollen wir wissen, was die Wahrheit ist?

Irgendwie hat sich die ganze Situation verselbständigt und – so ganz nebenbei – bloß auf Basis der Keys’schen Vermutung verschiedene Milliardenmärkte hervorgebracht: Margarine, fettarme Produkte für Menschen und für ihre Haustiere gleich mit, die komplette Diätindustrie und Cholesterinsenker, die weltweit am häufigsten eingenommenen Medikamente. Auch nicht zu vergessen: die Getreidewirtschaft. Wenn jetzt herauskäme, dass Fett nicht fett macht, Cholesterin nicht die Ursache für Herzkrankheiten ist und Kohlenhydrate, vor allem die stark verarbeiteten, lieber in geringeren Mengen eingenommen werden sollten, bricht die Weltwirtschaft zusammen.

Gefährliche Medien

Die herrschende Lehrmeinung hat sich, möglicherweise auch zum Schutze oder unter dem Druck der Wirtschaft, bislang nicht wesentlich geändert. Aber der Generationenwechsel hat bereits begonnen und langsam wird es unüberhörbar, dass Fett tatsächlich nicht fett macht und Cholesterin eventuell ein Symptom aber nicht die Ursache für Herzerkrankungen ist. Daraus erwächst aber auch eine nicht zu unterschätzende Gefahr: Die Medien verstümmeln alles zu guten Headlines und viele Artikel werden gar nicht aufmerksam genug gelesen. Wenn die Headline „Fett macht nicht fett“ alleine bleibt und wir den Artikel dazu nicht lesen, machen wir bloß Mayo statt Ketchup auf unsere Pommes und treten damit schnell den Gegenbeweis an, denn dann macht Fett immernoch fett und ist auch nicht gesund.

Der Fett-macht-nicht-fett-Trick

Damit Fett wirklich nicht fett macht, muss eine ausgewogene Ernährung her. Also ausgewogen im Sinne der Gesundheit und nicht der Wirtschaftlichen Interessen. Und die besteht nicht, wie die Gesundheitsbehörden immernoch behaupten, aus 55–60% Kohlenhydraten, 25–30% Fetten und 10–15% Eiweiß, sondern, zum Beispiel, aus 10–20% Kohlenhydraten, 15% Eiweiß und 65–75% Fetten. Denn der „Trick“, mit dem Fett nicht fett macht, ist die Reduzierung der Kohlenhydrate, vor allem der leeren Kohlenhydrate aus Zucker, Getreide und stärkereichem Gemüse. Und welche prozentuale Verteilung dabei für Dich die beste ist, musst Du ausprobieren, denn das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Als Lohn für diese Ausprobiererei winkt aber die lebenslange Befreiung vom Diätwahn, vom Jojo-Effekt und von Heißhungern, ein viel gesünderer, energiereicher Körper und total leckeres Essen.

Ich finde, das klingt sehr verlockend!

Links

Wissen hilft! Hier kannst Du noch viel mehr über Fette erfahren und darüber, unter welchen Voraussetzungen Du sie reichlich verzehren darfst oder sogar solltest:

Buch

Mehr Fett! Von Ulrike Gonder und Dr. Nikolai Worm. Das Buch, das in keinem Haushalt fehlen darf. Hier steht einfach alles, was wir über Fett wissen müssen, für alle kurzweilig und verständlich erklärt.