Fast immer, wenn ich mit der Bahn fahre, lese ich oder höre mir Hörbücher an – vorausgesetzt, natürlich, ich unterhalte mich nicht mit meinen Mitreisenden. Da ich aber fünf Tage die Woche mit der Bahn zur Arbeit und wieder zurück pendle, gibt’s mehr als ausreichend Gelegenheit für beides. Ab heute stelle ich Dir in loser Folge Bücher rund um unser aller Lieblingsthema vor …

SOS Schlank ohne Sport: Das Turbo-Stoffwechselprogramm aus den Tropen

Man konnte eine Zeitlang ja gar nicht dran vorbeihören, alle sprachen über „SOS Schlank ohne Sport“. So machte ich mich erstmal auf die Suche nach der Autorin, Katharina Bachmann, und wurde auf YouTube auch gleich fündig: Das ZDF Mittagsmagazin mit Katharina Bachmann. Ich konnte mich irgendwie nicht recht entscheiden, ob ich sie nun mochte oder nicht. Jetzt musste ich aber unbedingt genau wissen, wovon alle redeten und was sie so zu erzählen hat.

Gleich im Vorwort erklärt mir Frau Bachmann, sich nur für mein Geld zu interessieren, weil sie sogar an den Füßen kräftig abgenommen hätte und nun neue Schuhe bräuchte. Fand ich unlustig. Das war viel zu wahrscheinlich, als dass ich da eine Ironie wahrnehmen konnte. Der Humor der Frau Bachmann erschloss sich mir tatsächlich in keinem Moment. Aber so ist das nunmal mit Humor, entweder er passt sofort oder passt nie. Und dass er nicht passte, hatte zwar Einfluss darauf, wie unterhaltsam ich das Buch fand, aber es sollte mich in erster Linie ja gar nicht unterhalten …

Sie erzählt dennoch relativ kurzweilig von dem Weg, der sie zu einem Arzt mit Turban führte, der, wie’s aussah, nur IHR Geld wollte (Aaah, jetzt begreift die Spätzünderin. Trotzdem nicht lustig.). Nach kleineren Zwischenstopps bei Turbanen und Chinesischen Legenden erklärt sie, wie wirkungsvoll sich die Kokosnuss für alles Gute und gegen alles Böse einsetzen lässt, wobei mich die ganze Zeit ein Gedanke verfolgt: „Hätte sie ,Kokosöl‘ statt ,Kokosnussöl‘ geschrieben, wäre das Buch bestimmt 30 Seiten kürzer“. Während des Kokosnuss-Kapitels versuchte ich dauernd, nicht einzuatmen, denn schon, wenn ich Kokos nur rieche, wird mir unwohl, was ich nach dieser Lektüre wahnsinnig schade finde, denn die verschiedenen Wunder, die Kokos bewirken zu können scheint, schildert sie ausgesprochen überzeugend.

Ähnlich überzeugend preist sie die wundervollen Eigenschaften, anderer Früchte, Tees, Gewürze, Schoten, Saaten, etc., wobei ich sicherlich nicht in jede einzelne ihrer Lobeshymnen einstimmen kann, aber im Großen und Ganzen hat sie absolut Recht! Vor allem, weil sie damit den Gedanken verbreitet, dass auch chronische Krankheiten nicht für immer und Medikamente nicht die beste und schon gar nicht die einzige Lösung sind.

Im Gegensatz dazu stört mich etwas später das Totschlagargument, die Natur hätte Kuhmilch nur für Kälber vorgesehen, ganz gehörig. Schon, weil sie mir im nächsten Atemzug Schafs- oder Ziegenmilchprodukte als Alternative vorschlägt. Die Annahme, ich wäre kein Kalb ist zwar soweit korrekt, aber ich bin auch kein Lamm. Ob ich ein Zicklein bin, können wir allerdings gern mal bei einem leckeren (Kuh-)Milchkaffee diskutieren. Mutter Natur hat für mich also eventuell keine Kuhmilch vorgesehen, sicherlich war es aber ebensowenig ihr Plan, dass ich Krill schlürfe, ich kann ja nichtmal unter Wasser atmen. Und ob sie gewollt hat, dass die Eier meistens Frühstück statt Küken werden, darf auch bezweifelt werden. Mit solcher „Logik“ gewinnt man mich nicht als Freundin.

Das Milchkapitel ist ohnehin sehr ärgerlich. „15% der Erwachsenen leiden an einer Laktoseintoleranz“ bedeutet: 85% vertragen Laktose. Was genau soll mit dieser Aussage bewiesen werden? Und weder stammt ausnahmslos alle Milch, so, wie sie es darstellt, aus schlechter Tierhaltung, noch reagieren alle Menschen auf Milchprodukte gleich. Dass echte Kälber mit Supermarktmilch gar nicht ernährt werden könnten sagt ebensowenig aus, wie die sogenannte China Study, denn wir sind erstens ja keine Kälber(!) und glauben zweitens inzwischen auch einfach nicht mehr jeden Scheiß (Das sprengt jetzt leider diesen Rahmen. Das Wichtigste zur China Study findest Du hier im Absatz „Rezeption“.). Wenn Frau Bachmann so offensichtlich Tatsachen verdrehen und „Beweise“ von gaaanz weit hinten aus dem Regal holen muss, damit ihre These stimmt, muss sie sich nicht wundern, wenn ich da eine gewisse Substanz vermisse – um es mal ganz vorsichtig auszudrücken.

Danach wird durch die Sieben-Tage-Entgiftung geleitet, und die klingt wiederum interessant. Ich frage mich wirklich, ob das funktionieren kann, und ich habe daraufhin so einige Selbstversuche in verschiedensten Blogs gelesen. Einhellig wird dort geschildert, wie nah man am Fuße des zweiten Tages dem Aufgeben kommt und wie rapide es ab dem dritten, vierten Tag mit der Energie wieder bergauf geht. Nicht alle haben so viel abgenommen wie Frau Bachmann, aber alle haben abgenommen.

Die Ernährung nach Blutgruppen wird leider nur sehr kurz angerissen, aber im Anhang gibt es eine Menge Weiterführendes Material dazu. Komische, nicht unspannende Idee. Wenn die stimmt, sollte man sich aber am besten Partnerinnen und Partner mit derselben Blutgruppe suchen, sonst muss man immer doppelt kochen.

Alles in allem ist SOS Schlank ohne Sport eine Lektüre, die sich lohnt! Auch, wenn ich mich an verschiedenen Stellen sehr über dies oder jenes geärgert habe, darf man die Wirkung nicht ignorieren, die es haben kann, wenn man es zulässt: Es zwingt einen schon fast dazu, sich konstruktiv mit Ernährung auseinanderzusetzen und über die Möglichkeit nachzudenken, dass Krankheiten allein durch einen Richtungswechsel in der Ernährung abgeschwächt oder sogar völlig ausgemerzt werden können. Und das kann man nicht hoch genug bewerten. Dieses Buch kann Leben verändern, gerade, weil es nicht von einer Wissenschaftlerin geschrieben wurde, sondern von einer Betroffenen, deren Leben sich durch die Änderung ihrer Ernährungsgewohnheiten völlig verändert hat.

PS: Das Hörbuch ist übrigens nicht zu empfehlen, denn der komplette Rezeptteil fehlt. Da hätte man ruhig, wie es andere machen, ein PDF dazu spendieren können, lieber Hörverlag.

Katharina Bachmann
SOS Schlank ohne Sport: Das Turbo-Stoffwechselprogramm aus den Tropen
Goldmann Verlag
März 2015
320 Seiten

Kleines Update:

Ich habe gerade den Link zu einem kostenlosen Ebook von Katharina Bachmann bekommen, den ich Dir natürlich nicht vorenthalten will: Schlank und gesund in den Sommer 2016. Das Ebook enthält viele Informationen zu Katharina Bachmann und ist ein toller Einstieg ins Turbo-Stoffwechselprogramm.
Viel Spaß beim Lesen!!!