Ich bin total aufgeregt, der erste Gastbeitrag! Eine meiner liebsten Komplizinnen hat mir einen ganz wundervollen Artikel geschrieben, der einige Fragen beantwortet, die wir uns nie zu stellen trauen … Backblech frei für die Sahneschnitte!


Ich hab mich so an mich gewöhnt!

 

Geht es Euch auch so: An das morgendliche Grauen im Badezimmer hab ich mich längst gewöhnt: Da steht eine müde, dicke Frau im Bad und ich begrüße sie im Spiegel mit einem tröstenden Lächeln: „Keine Sorge, das kriegen wir schon wieder hin!“ Eine Dusche, etwas Make up und ein stark formendes Unterkleid später gefällt sie sich auch schon sehr viel besser: „Na bitte, geht doch!“

Das aufpolierte Selbstbewusstsein hält so lange an, bis jemand ein Foto von mir macht oder ich aus einer Kauflaune heraus in einer Umkleidekabine lande. Die dicke Frau auf dem Foto jagt mir einen Riesenschrecken ein und das Michelin-Mädchen im Kabinenspiegel ist ein Alptraum!!

Nur wie kann das angehen?
Ich sah doch gerade eben, zu Hause, noch ganz OK aus?

Nun, das Gehirn ist ein freundliches Ding, das Altbekanntes wohlwollend betrachtet und allmähliche Veränderungen so lange ausblendet, bis wir die Perspektive ändern. Ein neuer Spiegel, andere Beleuchtung, und schon „fremdeln“ wir wieder mit uns selbst und erkennen alles, was uns vorher gar nicht mehr aufgefallen war.

Noch deutlicher wird dies auf Fotos, denn sie liefern uns tatsächlich den Blickwinkel eines anderen. Und das auch noch spiegelverkehrt (kleiner Tipp: Wenn wir Fotos im Spiegel betrachten, sehen wir uns darauf wieder sehr viel ähnlicher, denn nur so betrachten wir uns schließlich auch selbst.)

Psychologen nennen dies den „Mere-exposure-Effekt“:
Dinge, die wir kennen, sind uns sympathisch
und wir sehen sie automatisch in einem positiven Licht.

Das gilt für unsere Selbstwahrnehmung ebenso, wie für unsere Liebsten, unser Mobiliar, die Beats auf die wir gern tanzen und – leider – auch für unser Essen. Wir mögen, was wir kennen: Wenn wir mit Schlüsselreizen wie dem goldenen M oder anderen Leckereien bisher angenehme Erfahrungen gemacht haben, dann fällt es uns zunächst schwer, darauf zu verzichten. Dabei ist es sehr gut möglich, dass wir uns auf diese Weise von echten Köstlichkeiten fernhalten. Wir geben ihnen aufgrund des großen Angebots bekannter und bewährter Leckereien nur einfach selten eine Chance.

Alltagsroutinen leiden ebenso unter diesem Effekt: Das heimische Sofa erscheint uns naturgemäß deutlich attraktiver als das Sportstudio oder der Spazierweg, den wir noch nicht kennen. Um uns zu bewegen, müssten wir es riskieren, etwas Liebgewonnenes für ein paar Stündchen gegen einen unentdeckten Ort einzutauschen. Und wer weiß: Vielleicht mögen wir es dort? Womöglich treffen wir nette Menschen oder der Weg dorthin gefällt uns, die Atmosphäre stimmt und schon gewinnen wir eine Lieblingsplatz-Option hinzu?

Wer sich zum Abnehmen motivieren möchte, sollte also ganz bewusst immer mal wieder die Perspektive ändern. Also tapfer ab in die Umkleidekabine und dann her mit all den potentiellen neuen Lieblingsgerichten, -Rezepten und -Zutaten und ab und zu runter vom Sofa. Denn mit ein bisschen Bewusstheit lässt sich der psychologische Gewohnheits-Automatismus aushebeln, das Genuss- und Aktivitäts-Repertoire erweitern und das Abnehmen fällt dann umgehend so viel leichter.