Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) ist ein gemeinnütziger Verein, der zwei Ziele verfolgt: „Förderung, Auswertung und Publikation ernährungswissenschaftlicher Forschung sowie Ernährungsberatung und -aufklärung im Dienste der Gesundheit der Bevölkerung.“ Ich frag mich nur, wieso sie das nicht macht …

Kennst Du die Deutsche Gesellschaft für Ernährung? Nö? Wundert mich nicht. Aber Du bezahlst 70% ihrer Arbeit mit Deinen Steuern. Zum Dank bemüht sich die DGE nach Kräften, uns alle immer dicker und kränker zu machen, so dass die Pharmaindustrie floriert. Eine Hand wäscht die andere – die völlig andere. Wir haben ja gar nicht so viel davon, wenn die Pharmaindustrie floriert. Naja, vielleicht Arbeitsplätze, die auf viele Jahre hinaus sicher sind, weil die DGE unter anderem auch die Standards aufstellt, nach denen das Essen in Kitas, Schulen und Senioreneinrichtungen bewertet wird. Und wenn eine Ernährungsberatung von der Krankenkasse übernommen werden soll, muss die Beraterin oder der Berater eine Ausbildung, zumindest aber eine Zertifizierung nach DGE vorweisen können.

Mit welcher Berechtigung steckt die DGE eigentlich ihre Nase in mein Essen – und was viel schlimmer ist, ins Essen meiner Neffen und meiner Nichte? Auf der Suche nach einer Antwort sehe ich mir zunächst mal die Ernährungsstandards der DGE genauer an …

Die Ernährungsregeln der DGE

1956 stellte die DGE mit dem Ernährungskreis die erste Leitlinie vor, die der Bevölkerung dabei helfen sollte, sich ausgewogen, gesund und vollwertig zu ernähren. Der Ernährungskreis und die daraus resultierenden Empfehlungen wurden auch immer mal wieder, also in den 1990er Jahren und 2005, an neuere Erkenntnisse in der Ernährungswissenschaft angepasst. Blöd nur, dass die Wissenschaft irgendwann abgebogen ist und die DGE ihre Spur verloren hat. Da lässt man den Abgleich mit den Erkenntnissen der Ernährungswissenschaft nur einen ganz winzigen Moment mal aus den Augen, also so 10, 20 Jahre, weil man damit beschäftigt ist, den Ernährungskreis in eine schicke 3D-Pyramide einzubauen und sorgfältig in einer Studie mit 48 Probanden zu überprüfen, ob die Bevölkerung schon bereit ist für eine 3D-Darstellung solch komplizierter Sachverhalte und ob der Inhalt so überhaupt verstanden wird – nee, die langweilen sich da nicht, für mein Geld – schon kommt man nicht mehr hinterher.

Bis die Wissenschaft wieder am Horizont auftaucht macht die DGE immerhin nicht kritiklos jede dahergelaufene kurzlebige Ernährungsmode mit, sondern hält sich vorbildlich an ihre einst so hart erarbeiteten zehn Ernährungsregeln, die da lauten:

1. Die Lebensmittelvielfalt genießen
Vollwertiges Essen und Trinken beinhaltet eine abwechslungsreiche Auswahl, angemessene Menge und Kombination nährstoffreicher und energiearmer Lebensmittel. Wählen Sie überwiegend pflanzliche Lebensmittel. Diese haben eine gesundheitsfördernde Wirkung und unterstützen eine nachhaltige Ernährungsweise.

Mmm. Nachhaltige Ernährungsweise. Laut Duden ist Nachhaltigkeit das „Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann“. Jetzt kucke ich mal kurz in den Supermarkt und – siehe da – es gibt noch Toast. Kann also künftig bereitgestellt werden, kann ich aufessen. Das gleiche gilt für Cola, Bier, Nutella, Pizza, Cornflakes … Wenn das mal nicht ne abwechslungsreiche Auswahl ist. Und das ist sowas von überwiegend pflanzlich.
Regel 1: √

2. Reichlich Getreideprodukte sowie Kartoffeln
Brot, Getreideflocken, Nudeln, Reis, am besten aus Vollkorn, sowie Kartoffeln enthalten reichlich Vitamine, Mineralstoffe sowie Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Verzehren Sie diese Lebensmittel mit möglichst fettarmen Zutaten. Mindestens 30 Gramm Ballaststoffe, vor allem aus Vollkornprodukten, sollten es täglich sein. Eine hohe Zufuhr senkt die Risiken für verschiedene ernährungsmitbedingte Krankheiten.

Schluss mit der Verteufelung der vitaminreichen Nudel! Ich will die Risiken für ernährungsmitbedingte Krankheiten mindern! Wissenschaftliche Beweise gibt es allerdings nur für das Gegenteil, gerade, was das Getreide betrifft. Als sekundäre Pflanzenstoffe werden übrigens auch die Gifte bezeichnet, mit denen sich Pflanzen davor schützen von ihren Fressfeinden, zum Beispiel uns, gefressen zu werden. Im Getreide finden sich diese Gifte vorwiegend – au weia – in den äußersten Schichten des Korns. Deshalb kam man ja irgendwann mal auf die Idee, die abzumachen, aber das nur am Rande. Der heimliche Star in Regel zwo sind 30 Gramm Ballaststoffe täglich, aus Getreide und Kartoffeln. Das bedeutet im Klartext: mehr als ein Kilo Kartoffeln und Brot jeden Tag. Ist das nicht vielleicht bisschen üppig? Wäre dann nicht schon bald das halbe Land hoffnungslos übergewichtig?
Regel 2: √

3. Gemüse und Obst – Nimm „5 am Tag“
Genießen Sie 5 Portionen Gemüse und Obst am Tag, möglichst frisch, nur kurz gegart oder gelegentlich auch als Saft oder Smoothie – zu jeder Hauptmahlzeit und als Zwischenmahlzeit: Damit werden Sie reichlich mit Vitaminen, Mineralstoffen sowie Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen versorgt und verringern das Risiko für ernährungsmitbedingte Krankheiten. Bevorzugen Sie saisonale Produkte.

Nichts gegen einzuwenden. Ich nehme einmal Fruchtgummis, zwei mal Ketchup zu Regel 2, Zwiebelringe und Apfeltasche.
Regel 3 √

4. Milch und Milchprodukte täglich, Fisch ein- bis zweimal in der Woche, Fleisch, Wurstwaren sowie Eier in Maßen
Diese Lebensmittel enthalten wertvolle Nährstoffe, wie z. B. Calcium in Milch, Jod, Selen und n-3 Fettsäuren in Seefisch. Entscheiden Sie sich bei Fisch für Produkte mit anerkannt nachhaltiger Herkunft. Im Rahmen einer vollwertigen Ernährung sollten Sie nicht mehr als 300 – 600 g Fleisch und Wurst pro Woche essen. Fleisch ist Lieferant von Mineralstoffen und Vitaminen (B1, B6 und B12). Weißes Fleisch (Geflügel) ist unter gesundheitlichen Gesichtspunkten günstiger zu bewerten als rotes Fleisch (Rind, Schwein). Bevorzugen Sie fettarme Produkte, vor allem bei Fleischerzeugnissen und Milchprodukten.

Ich werde mich auch hierdurch jetzt nicht verleiten lassen, ins allgemeine Milch-Bashing-Horn zu tuten. Ich habe versucht, die Wahrheit über Milch herauszubekommen, aber ich konnte bisher nichtmal eine befriedigende Antwort auf die Frage finden, ob eine eindeutige Wahrheit überhaupt existiert oder ob, wie es auf den ersten Blick aussieht, Dinge unnötig dramatisiert werden, um irgendeiner Sache aus irgendeinem Grund Nachdruck zu verleihen. Bis da Klarheit herrscht, könnte gelten: Milch, vor allem Milch aus nicht-artgerechter Haltung und ebensolcher Fütterung, ist weder wahnsinnig gesund, noch ist sie der beste Kalziumlieferant. Ob Du sie verträgst und magst, kannst Du sicherlich erstmal selbst entscheiden.

Dass weißes Fleisch gesünder sein soll als rotes Fleisch entbehrt jeglicher Logik. Wir bestehen aus rotem Fleisch. Wieso sollte Fleisch für uns bekömmlicher sein, je unähnlicher es unserem eigenen ist? Es müsste stattdessen heißen: „Fleisch aus artgerechter Haltung ist unter gesundheitlichen Gesichtspunkten günstiger zu bewerten als Fleisch aus Massentierhaltung mit nicht-artgerechter Fütterung“. Ein sehr großer Teil der Wurst aus industrieller Fertigung besteht aus Müll und macht krank. Die sollte nicht in Maßen sondern gar nicht verzehrt werden. Dass fettarme Produkte zu bevorzugen sind, ist wissenschaftlich längst klar widerlegt und auch Eier zu begrenzen ist völliger Schwachsinn, die sind schon seit Jahrzehnten rehabilitiert. Eier, zumindest Bioeier, sind total gesund! Vielleicht kommen sie ja deshalb im Text nicht mehr vor.

Fisch, vor allem fetter Fisch, ist ein wunderbarer Lieferant guter Omega-3-Fettsäuren, die nachhaltige Herkunft kann man am MSC-Siegel (msc.org) erkennen. Muss ich mal drauf achten, ob es das auf irgendeiner Packung im Supermarkt gibt. Ich wohne an der Küste und bekomme meinen Fisch direkt vom Kutter (alte Angeberin!).
Kein Haken für Regel 4, das kriegen wir so nicht hin.

5. Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel
Fett liefert lebensnotwendige (essenzielle) Fettsäuren und fetthaltige Lebensmittel enthalten auch fettlösliche Vitamine. Da es besonders energiereich ist, kann die gesteigerte Zufuhr von Nahrungsfett die Entstehung von Übergewicht fördern. Zu viele gesättigte Fettsäuren erhöhen das Risiko für Fettstoffwechselstörungen, mit der möglichen Folge von Herz-Kreislauf-Krankheiten. Bevorzugen Sie pflanzliche Öle und Fette (z. B. Raps- und Sojaöl und daraus hergestellte Streichfette). Achten Sie auf unsichtbares Fett, das in Fleischerzeugnissen, Milchprodukten, Gebäck und Süßwaren sowie in Fast-Food und Fertigprodukten meist enthalten ist. Insgesamt 60 – 80 Gramm Fett pro Tag reichen aus.

Der erste Satz ist doch gut. Wieso nehmen die dann plötzlich eine ganz andere Richtung? Zweiter Satz: Völliger Schwachsinn! Ist wissenschaftlich seit Jahren widerlegt. Dritter und vierter Satz: Gesättigte Fette = Tier = Böse, ungesättigte Fette = Pflanze = Gut. Schwachsinn = Schwachsinn = Schwachsinn! Beinahe alle Fette, sowohl tierische als auch pflanzliche, enthalten ein Gemisch aus gesättigten und ungesättigten Fettsäuren. Die vorgeschlagenen „gesunden“ Öle können gefahrlos für Fahrradketten oder quietschende Türen verwandt werden, sollten aber lieber nicht mit Lebensmitteln verwechselt werden.

Absolute Fachleute in Sachen Fett sind Ulrike Gonder und Dr. Nikolai Worm. Ihr Buch „Mehr Fett! – Warum wir mehr Fett brauchen, um gesund und schlank zu sein“ sollte wirklich in keinem Haushalt fehlen.
Regel 5

6. Zucker und Salz in Maßen
Verzehren Sie Zucker und Lebensmittel bzw. Getränke, die mit verschiedenen Zuckerarten (z. B. Glucosesirup) hergestellt wurden, nur gelegentlich. Würzen Sie kreativ mit Kräutern und Gewürzen und wenig Salz. Wenn Sie Salz verwenden, dann angereichert mit Jod und Fluorid.

Ach, Zucker ist bloß ein Gewürz? Ich dachte, Zucker ist das Gift, das die ganzen Zivilisationskrankheiten und noch viel Schlimmeres macht. Kuck mal, wieder was gelernt.
Regel 6 √

7. Reichlich Flüssigkeit
Wasser ist lebensnotwendig. Trinken Sie rund 1,5 Liter Flüssigkeit jeden Tag. Bevorzugen Sie Wasser – ohne oder mit Kohlensäure – und energiearme Getränke. Trinken Sie zuckergesüßte Getränke nur selten. Diese sind energiereich und können bei gesteigerter Zufuhr die Entstehung von Übergewicht fördern. Alkoholische Getränke sollten wegen der damit verbundenen gesundheitlichen Risiken nur gelegentlich und nur in kleinen Mengen konsumiert werden.

1,5 Liter dürften in manchen Fällen ausreichend sein, denn es ist auch Wasser im Essen, also in Obst und Gemüse zumindest. Wenn’s aber Pizza gibt und Nutellabrötchen, ist da nicht viel Wasser drin. Wenn Sommer ist, wenn Du Sport machst oder tanzen gehst, brauchst Du mehr Wasser. Wie viel wir wirklich brauchen, hängt von so vielen Faktoren ab, dass es egal ist, ob wir den Wasserbedarf sorgfältig nach einer Formel berechnen oder einfach mindestens zwei Liter trinken. Trink auf jeden Fall immer, wenn Du Durst hast. Jetzt könnte ich eigentlich einen Haken hinter die Regel machen, mache ich aber nicht. Siehst Du, wie sie wieder versuchen, den Zucker zu verharmlosen? Hat viele Kalorien und könnte deshalb vielleicht bisschen dicker, also bei gesteigerter Zufuhr. Neinnein. Gesundheitliche Risiken nur bei Alkohol.
Regel 7

8. Schonend zubereiten
Garen Sie die Lebensmittel bei möglichst niedrigen Temperaturen, soweit es geht kurz, mit wenig Wasser und wenig Fett – das erhält den natürlichen Geschmack, schont die Nährstoffe und verhindert die Bildung schädlicher Verbindungen. Verwenden Sie möglichst frische Zutaten. So reduzieren Sie überflüssige Verpackungsabfälle.

Ich sag’s der Kantine.
Regel 8 √

9. Sich Zeit nehmen und genießen
Gönnen Sie sich eine Pause für Ihre Mahlzeiten und essen Sie nicht nebenbei. Lassen Sie sich Zeit, das fördert Ihr Sättigungsempfinden.

Ist völlig realitätsfern, aber eine gute Idee.
Regel 9 √

10. Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben
Vollwertige Ernährung, viel körperliche Bewegung und Sport (30 – 60 Minuten pro Tag) gehören zusammen und helfen Ihnen dabei, Ihr Gewicht zu regulieren. Gehen Sie zum Beispiel öfter einmal zu Fuß oder fahren Sie mit dem Fahrrad. Das schont auch die Umwelt und fördert Ihre Gesundheit.

Bewegung ist toll. Die Umwelt zu schonen oder das Gewicht zu regulieren lockt mich aber nicht wirklich vom Sofa, sondern, dass es Spaß macht, zusammen spazierenzugehen oder Federball zu spielen und dass es glücklich macht, zu tanzen oder im Park Fußball zu spielen …
Regel 10 √

Irgendein dahergelaufener Verein

Ich weiß leider nicht mehr, wer’s war, irgendjemand hat die DGE kürzlich als dahergelaufenen Verein bezeichnet. Schön wär’s. Das Problem ist, es ist leider eben nicht bloß irgendein dahergelaufener Verein. Die verstehen es, sich richtig wichtig zu machen. Zum Beispiel mit den Empfehlungen für die tägliche Nährstoffzufuhr, die auf den Etiketten stehen, die auf die Lebensmittel und Nahrungsergänzungen gedruckt werden. Die Angabe von Vitaminen und Mineralstoffen ist nicht verpflichtend, aber wenn diese Stoffe angegeben werden, muss zusätzlich der prozentuale Anteil des Nährstoffs an der empfohlen Tagesdosis (Referenzmenge) angegeben werden und diese empfohlene Tagesdosis hat sich die DGE irgendwie aus den Fingern gesogen.

Mit den Standards für Kita- und Schulessen wird jeden Tag schon den Kleinsten ein völlig verzerrtes Bild von „normalem“ essen vermittelt. Und wer das nicht verträgt, wird eben dick und krank und braucht Medikamente, darf aber – um Himmels Willen – auf keinen Fall eine tägliche Menge von 45% Kohlenhydrate unterschreiten! (Ein Beispiel: „Für Personen mit Diabetes findet sich keine Begründung zur Empfehlung von Kostformen mit geringem Kohlenhydratanteil.“ Das steht so in den Evidenz-basierten Ernährungsempfehlungen zur Behandlung und Prävention des Diabetes mellitus, Seite 81, mittlere Spalte, unter Empfehlungen.)

Ärzte und Ernährungsberater die nach den Richtlinien der DGE beraten, sind eine Katastrophe für die Gesundheit der Patienten! Der Grundsatz „Im Zweifel wenigstens nicht schaden“ wird in die Tonne getreten, die Patienten bleiben krank, Ärzte und Pharmaindustrie haben einen garantierten Kundenstamm und sind zufrieden. Ob nun bloße Einfalt oder Kalkül, die DGE betreibt nicht nur Verschwendung von Steuergeldern, sie macht sich der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig. Nur, wo kein Kläger …

Ich komme bei meinen Recherchen zur DGE vom Hundertsten ins Tausendste und es offenbaren sich mir immer mehr Katastrophen, so dass ich innerlich nur die Hände überm Kopf zusammenschlagen kann. Wenn ich das alles verarbeitet habe, wird es auf jeden Fall noch eine Fortsetzung geben, denn das musst Du alles erfahren.

PS: Die DGE-Empfehlung 55–60% Kohlenhydrate, 25–30% Fette und 10–15% Eiweiß entspricht ziemlich genau einem Big-Mac-Menü mit großer Pommes und großer Cola. Guten Appetit!