Über die Hälfte der Leute hierzulande sind übergewichtig und es werden mehr und mehr, aber woher kommt Übergewicht eigentlich? Die Meisten, die welches haben, das sie gern loswären, haben insgeheim eine Erklärung dafür, auch, wenn sie die nicht immer kundtun. Meine Erklärung war immer, es war mir lange Zeit egal und ich trank viel Bier. Dann habe ich so einige Male versucht, es loszuwerden, trank aber immernoch viel Bier, dann war’s mir wieder egal, dann trank ich kein Bier mehr und aß im Grunde auch gar nicht so wahnsinnig viel, aber das half dann irgendwie auch nicht mehr … Ganz schön lahm, oder? Und auch noch völlig am eigentlichen Kern vorbei. Und das hätte ich wissen können, wenn ich mir mal die Mühe gemacht hätte, mich ein wenig zu informieren.

Wir sind dieser Tage mit Büchern, Zeitschriften, Fernsehsendungen und Onlineangeboten zum Thema Abnehmen so gut versorgt wie nie zuvor, da müssen wir doch nur noch machen, was die alle sagen. Problem gelöst, und die Hersteller von XXXL-Klamotten könnten einpacken. Oder nicht?

Wer isst schon Sofas?

So, mal kucken. Was sagen die denn alle so? „Fett macht fett.“, „Kohlenhydrate machen fett.“, „Sofas machen fett.“, „Computer machen fett.“, „Fernseher machen fett.“ Ach, hör auf! Wer isst denn schon Sofas oder Fernseher? Die weit verbreitete Meinung ist, wir werden alle immer dicker, weil wir uns im Arbeitsalltag weniger bewegen als unsere Vorfahren und in der Freizeit fast noch weniger. Früher haben wir unser Essen noch selbst gejagt und es im Anschluss kilometerweit in unsere Höhle getragen, dann kamen Autos, Computer, Fastfood und Rolltreppen und haben uns, boshaft, wie sie sind, dick und träge gemacht. Zugegeben, das ist ein winziges Bisschen verkürzt dargestellt, aber wenn das der ganze Grund ist, was ist dann mit den etwa 42 %, die trotz Schreibtisch-Job, Rolltreppe und Drive-In nicht zu dick sind? Haben die einfach die bessere Genetik und wir alle sind fein raus, weil wir sagen können: „Meine Gene sind Schuld“, dann essen wir, was uns vor die Klappe kommt und nach uns die Sintflut, wir können ja eh nichts ausrichten?

Ich kann das nicht glauben. Ich weigere mich aber auch einfach, diese Verantwortung abzugeben und das aus einem einfachen Grund: Ich mag mich so nicht leiden. Es muss dafür noch andere Ursachen geben, die Forschung hilft da bislang aber nicht recht weiter. Was zum Beispiel alle paar Jahre wieder auftaucht, ist ein wissenschaftliches Experiment, währenddessen versucht wird, eine Reihe schlanker Probanden dickzufüttern. Daran scheitern sie jedes Mal und die Ergebnisse sind immer dieselben: Einige werden bisschen dicker, andere eher gar nicht und einer, vielleicht, legt zu. Dieses Experiment ist zwar medienwirksam aber völlig aussagelos, so oft sie es auch durchführen, denn der Ansatz ist einfach Quatsch. Man kriegt in so wenigen Wochen keinen Stoffwechsel kaputt. Dazu braucht es entweder Jahre oder bestimmte Krankheiten. Der Stoffwechsel ist im Normalfall wahnsinnig elastisch. Wie er, zu unserem Leidwesen, auf die „Hungersnot“ während einer kaloriensparenden Diät reagiert, indem er den Grundumsatz senkt, reagiert er auf Überernährung, indem er ihn nach oben schraubt, wenn er nicht mehr weiß, wo er all die aufgenommene Energie noch lagern soll. Die Anzahl der Fettzellen wird im Kindesalter festgelegt und bleibt zeitlebens konstant. Nicht konstant bleibt, wie viel in diesen Zellen untergebracht werden kann, aber es ist anscheinend nicht möglich die „Lagerkapazität“ der Zellen in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum beliebig auszuweiten. Für die Forscher ergibt sich daraus der „Setpoint“, also ein Gewicht, auf das der Körper bei korrekt funktionierendem Stoffwechsel immer wieder zustrebt.

Der Setpoint wird aber auch immer wieder als Grund dafür genannt, dass manche Menschen nicht dauerhaft abnehmen können und nach einem Gewichtsverlust zügig eben diesem Setpoint wieder entgegenstreben, der angeblich über die Jahre in Richtung dick gewandert ist. Aber so geht das nicht! Wenn ein Setpoint wirklich existieren sollte, dann ist er das Gewicht oder eben die Fettzellenkapazität, die wir hatten, als der Körper fertig, sprich: ausgewachsen war. Das war so mit 20, 22 Jahren. Das lässt sich genausowenig verschieben wie die Anzahl der Fettzellen. Da sich die Fettzellen nach und nach immer wieder erneuern und dann quasi bei Null anfangen, muss es aber auch möglich sein, da reinzugreifen und alles wieder „richtig“ zu machen.

Also woher kommt Übergewicht denn jetzt?

Kurze Antwort: Stoffwechsel kaputt. Dass der bei vielen Leuten heilbleibt, ist schon ein ziemliches Wunder und es gibt sicherlich jede Menge individuelle Gründe dafür. Dafür, dass er in den vergangenen paar Jahren aber so massenhaft entgleisen konnte, finden sich die Ursachen im ganz normalen Ernährungsangebot. Da erzähle ich auch gar nicht viel neues: Hochverarbeitete Lebensmittel mit Zusatzstoffen, die absolut erlaubt aber ausgesprochen gesundheitsschädlich sind, moderner Hochleistungsweizen, an dem rumgebosselt wurde, so dass er kaum noch Stängel hat und mehr Ertrag abwirft, aber aus irgendeinem Grund nicht als genmanipuliert bezeichnet werden muss, billiger Maissirup als Süße in Getränken, der ohne Umweg in die Fettzellen eingelagert wird, den Fettstoffwechsel hemmt und das Sättigungsgefühl blockiert, absurde Mengen verborgenen Zuckers, wo auch immer sie ihn unter diversen Decknamen nur reinstopfen können, Obst und Gemüse, das aufgrund weiter Transportwege so lange gelagert wird, dass kaum noch Vitamine drin zu finden sind, wenn wir damit an der Kasse stehen, Fleisch- und Milchprodukte von Kühen, die nie eine Weide gesehen haben und nicht wissen, wie Gras schmeckt …

Es wird immer wieder behauptet, in den letzten paar Jahren wäre der Zucker- und Weißmehlkonsum gestiegen und wir wären ja wohl selbst schuld, aber ich habe mir einige Statistiken angesehen: Eher gesunken. Beide. Zumindest, was den absichtlichen Konsum betrifft (ich habe die Statistik-Links irgendwo im Recherche-Wust verbuddelt. Sobald ich sie wiederfinde, wird verlinkt. ’Tschuldigung!). Tatsache ist, dass die Lebensmittelindustrie uns Sachen unterjubelt, die wir nicht zu uns nehmen sollten. Und wenn diese Sachen Beschwerden machen, wird ein Medikament draufgeklebt, das wiederum Nebenwirkungen hat. Das ist „ganz normal“.

Die gute Nachricht

Wir können das wieder heilmachen. Selbst. Und ohne Medikamente. Wenn wir aufhören, in einzelnen Symptomen zu denken, sondern das große Ganze sehen, kriegen wir erstmal den Stoffwechsel wieder hin und damit auch das Übergewicht weg. Dazu sind zunächst für ein paar Wochen einige Maßnahmen notwendig, die auf den ersten Blick etwas unbequem erscheinen mögen, aber ich habe noch niemanden gesprochen, die oder der das hinterher bereut hätte:

  1. Lesebrille mit in den Supermarkt nehmen und ansehen, was alles in einem Lebensmittel verbaut ist. Wenn Du bei mehr als zwei Zutaten keine Vorstellung davon hast, was das sein könnte, leg es zurück und nimm ein anderes. Es gibt immer Alternativen, die nicht so viel Quatsch im Gepäck haben. Frischkäse, zum Beispiel, kann zwei oder 15 Zutaten haben. Welcher ist wohl besser?
  2. Iss genug und am besten regelmäßig. Sei nie länger hungrig, so hältst Du Dich und Deinen Körper bei Laune und schaffst die besten Voraussetzungen dafür, dass Dein Stoffwechsel wieder einrastet.
  3. Getreide raus. Mindestens vier Wochen lang kein Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut, Emmer, Reis, Mais, Hirse, Teff, Amaranth). Achtung bei den Fertiggerichten: Es gibt fast keins, das kein Getreide enthält, zum Beispiel in Form von Maisstärke. Mein Brot ist getreidefrei. Das hilft. Außerdem helfen Quinoa, weil’s kein Getreide ist aber eine leckere Beilage, und Gemüse (Stichwort: Blumenkohlreis). PS: Bier ist aus Getreide.
  4. Bio kaufen, wenn Du es Dir irgend leisten kannst. Vor allem aber tierische Produkte. Fleisch und Milchprodukte sollten unbedingt Bio sein oder nicht-zertifiziert aber vertrauenswürdig (ich kenne einige Landschlachtereien, die ihre Tiere liebevoll aufziehen, ihnen nur bestes Futter geben, sie artgerecht halten und kein Bio-Zertifikat haben, aber sehr gesundes Fleisch verkaufen). Iss lieber weniger Fleisch aber dafür welches, das Dich nicht krank macht. Und: Auch Discounterbio ist Bio!
  5. Zucker drastisch reduzieren oder ganz raus damit. Auch – oder gerade – in Form von Honig oder Agavendicksaft. Das ist konzentrierte Fructose, die macht dasselbe wie der Maissirup in Cola. Alternativen sind Stevia und Erythrit. Beides Süßungsmittel, die keine Kalorien haben und nicht gesundheitsschädlich sind.
  6. Iss viel Gemüse, Pilze, Salate. Auch Obst, aber nicht zu süßes und in Maßen (einen Apfel, nicht drei, eine halbe Papaya, ein halbes Körbchen Erdbeeren …).
  7. Gute Fette rein, böse Fette raus. Olivenöl für Salate und zum aromatisieren von Saucen, Kokosöl, Ghee oder Butterschmalz zum Braten und backen. Kein „Pflanzenöl“, Rapsöl, Sonnenblumenöl oder gehärtetes Öl (Palmin etc.).
  8. Naturbelassene Nüsse und Kerne knabbern sich ganz hervorragend zwischendurch, sättigen ganz nett und spenden gesunde Fette und Energie.
  9. Achte auf ausreichend Vitamine und Mineralstoffe. Lies Dich dazu schlau, mein eigener Vitaminartikel braucht noch etwas, ich bin da mitten in der Recherche. Das Deutsche grüne Kreuz hält solange ein paar nützliche Informationen für Dich bereit.
  10. Zu guter Letzt: Schlaf ausreichend. Dein Stoffwechsel wird Dir wirklich danken, wenn Du ihn nicht ständig bei der Arbeit störst.

„Aber dann müsste ich ja meine komplette Ernährung völlig auf den Kopf stellen.“ Ja, genau. Was Dich krank und dick macht kommt raus, was Dich gesund und Deinen Stoffwechsel wieder heil macht und Dir so auf lange Sicht das Übergewicht klaut, kommt rein.

Es muss nicht von einem auf den anderen Tag alles klappen. Finde Dich rein und fang mit irgendeinem der Punkte an und nimm nach und nach die anderen dazu. Oder mach’s erstmal für einen Tag perfekt und dann mal für zwei, dann drei und irgendwann alle.