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„Iss weniger, beweg Dich mehr“

Das machen wir seit Jahren und Jahren, manche von uns seit Jahrzehnten. Klappt nur nicht. Wir werden immer dicker. Das ganze Land wird immer dicker. Die ganze westliche Welt wird immer dicker – und alle anderen ziehen auch langsam nach.

Aber wieso funktioniert das denn so nicht? Umgekehrt funktioniert’s doch: Zunehmen, indem ich mehr esse und mich weniger bewege klappt doch super.

Äh, nein. Tut es nicht, das sieht nur so aus.

In seinem Buch „Warum wir dick werden – und was wir dagegen tun können“ schreibt der Wissenschaftsjournalist Gary Taubes: „Wir werden nicht dicker, weil wir gefräßige Bewegungsmuffel sind, sondern fauler und wahnsinnig hungrig, weil wir gerade dicker werden“. Und das ist – biologisch betrachtet – nichtmal ein Fehler, sondern absolut korrekt, es gefällt uns nur nicht sonderlich.

Wachstum, ob nun in die Höhe oder in die Breite, macht Hunger, denn der Körper muss anbauen. Und wenn wir diesen Hunger mit Dingen stillen, die wenig Baumaterial und viel Energie liefern, werden wir immer nur hungriger, sogar während wir noch essen. Und gegen diesen Hunger hat Willenskraft nicht die geringste Chance.

Wenn das stimmt, ist alles falsch, was in den vergangenen 100 Jahren übers Abnehmen und über Ernährung verbreitet wurde. 

Und jetzt rate mal.

Wieso funktioniert weniger essen und mehr bewegen nicht, das klingt doch so einleuchtend?

Die kurze Antwort ist: Weil Zunahme und Abnahme gar nicht so viel mit den Mengen zu tun haben, die wir zu uns nehmen. Viel entscheidender ist, was unsere Körper mit all dem, was wir essen und trinken, anfangen können.

Die lange Antwort bekommst Du in meinen nächsten 872 oder so Blog-Artikeln und in meinen Sendungen dazu. Denn die ist nicht so schnell erzählt.

Verschiedene Lebensmittel machen im Körper verschiedene Dinge. Ein paar liefern Energie, ein paar liefern Baustoffe, ein paar liefern Hilfsstoffe, ein paar können annähernd gar nichts und ein paar schaden uns sogar. Was Dich fürs Abnehmen erstmal besonders interessiert, ist, was Dich satt macht und was hungrig – und warum. 

Wenn Du hungrig bist, nimmst Du nicht gut ab. Satt und fröhlich sollst Du durch den Tag gehen und zwischen Deinen Mahlzeiten nicht besonders hungrig werden. Dann – und erst dann – wird der Körper mit dem, was er über die Jahre sicher gebunkert hat, und wovon Du gern was loswärst, endlich freigiebiger.

Und hier kommt auch schon unser erstes Experiment. Du willst schließlich nicht 872 Artikel lesen oder Sendungen hören müssen, bevor’s endlich mit dem Abnehmen losgeht …

Die ersten fünf Schritte in Richtung Abnehmen

1. Iss drei mal am Tag. 

Soll heißen: Iss Dich bei jeder Mahlzeit so satt, so dass Du keine Zwischenmahlzeit brauchst. 

Wenn Du keine Frühstückerin oder kein Frühstücker bist, sind auch zwei Mahlzeiten wunderbar. Nur halt nicht mehr als drei. Und leg Dich hier nicht selbst rein (ich weiß sehr gut, wie leicht das passiert): ’Ne Latte Macchiato ist kein Getränk sondern eine Mahlzeit (das gilt auch für einen Cappuccino, siehe Punkt 2). Auch jeder Keks – und sei er noch so klein – ist eine Mahlzeit. Das gilt natürlich nicht nur für „ungesundes Zeug“, sondern auch für Cherrytomate, Käseklötzchen oder Selleriestick. Alles, was Du isst, ist Mahlzeit.

2. Trink zwischen den Mahlzeiten nichts mit Kalorien oder süßem Geschmack. 

Getränke mit Kalorien sind Zwischenmahlzeiten, süße Getränke ohne Kalorien tun wahrscheinlich so, als wären sie Zwischenmahlzeiten. Ich habe so viel Widersprüchliches über Süßstoffe gehört und gelesen, dass ich für den Anfang vorschlage, sie zwischen den Mahlzeiten wegzulassen. Ich komme in einem späteren Artikel natürlich detaillierter auf Süßstoffe zu sprechen.

3. Wirf die „Pflanzenöle“ raus und alles, wo welche drin sind.

Damit meine ich Rapsöl, Sojaöl, Sonnenblumenöl, Margarine, Butterähnliche Substanzen mit irgendwelchen Zusätzen … Stattdessen iss natürliche Fette mit natürlichem Fettgehalt wie Weidebutter, Schmalz, Butterschmalz oder Ghee oder auch Öle aus Früchten wie Olivenöl, Bio-Kokosöl oder Avocadoöl.

4. Vermeide Fruchtzucker, bei dem sie die Frucht abgemacht haben.

Obst mit allem Drum und Dran ist völlig in Ordnung, Saft ist es nicht. Smoothie auch nicht. Und alles wo sie Glukose-Fructose-Sirup zugesetzt haben schon gar nicht.

5. Iss die Kohlenhydrate immer zuletzt.

Das sieht bei Pizza vielleicht etwas komisch aus, wenn Du zuerst den Belag und hinterher den Boden isst, aber genau so meine ich das. Vielleicht kannst Du Dir Pizza einfach eine Weile verkneifen und irgendwas anderes essen, bei dem man sich dann nicht so bescheuert vorkommt.

Das sind genug Regeln für einen guten Start in die Abnahme

Ich nenne das einfach mal die Startphase. Die darfst Du jetzt vier Wochen einfach so beibehalten. Wenn Du Dich darin gemütlich einrichten kannst, wenn’s lecker ist, satt macht und Du auch schon die ersten Kilos verlierst, kannst Du das auch gut länger machen, aber dazu komme ich noch in einem der nächsten Artikel.

Im Zweifel wirf noch etwas Käse drauf

Achte genau auf Dein Hungergefühl. Wenn Du zu früh wieder hungrig wirst, nimm lieber weniger Kohlenhydrate und dafür mehr Fett und Protein. Wirf also einfach noch ’ne Scheibe Käse drauf oder auch zwei.

In den folgenden Artikeln gehe ich die Startphase detaillierter durch. Es gibt natürlich für jeden dieser Schritte sehr gute Gründe. Ich hab mir aber gedacht, Du möchtest bestimmt lieber erstmal irgendwie loslegen und deshalb stelle ich die Erklärungen einfach mal hinten an.

Guten Appetit!